KATAKOMBEN

Im Jahre 1486 wurden die Katakomben in einem Keller des Deutschen Ordens unterhalb des Stephansdomes eingerichtet. Die Stephansgruft diente, so wie die meisten Kirchengrüfte dieser Zeit, sowohl als Begräbnisstätte einiger privilegierter Familien als auch als Beinhaus zur Lagerung tausender, anonymer Toten. Das Labyrinthähnliche Tunnelsystem der Katakomben durchzieht sich durch fast ganz Wien, bishin nach Niederösterreich. Einige Zugänge sind heute noch offen.
  

Die Katakomben wurden, im laufe der Jahre, vielseitig verwendet:
1529
Bei Wiens erster Türkenbelagerung dienten die Katakomben als Unterirdische Verteidigungsposition der Wiener.
1618
Die Habsburger bauten eine Gruft an die Katakomben an. Ihre Gründung wurde 1618 testamentarisch festgelegt von Kaiserin Anna. Der Bau begann 1622 und dauerte 11 Jahre. Nach der Fertigstellung im Jahr 1633 wurden die Särge von Kaiserin Anna und ihrem Gemahl Kaiser Matthias in die Gruft überführt. Die letzte Bestattung war die von Zita von Bourbon-Parma, der Frau von Karl I. im Jahre 1989.

Kaiser Ferdinand III. gab den Auftrag zur Erweiterung der Gruft. Dadurch schuf er die Grundlage zum Ausbau der Kaisergruft zu einer Erbbegräbnisstätte der Familie Habsburg. Insgesamt wurde die Gruft 8 mal erweitert, heutzutage liegen in der Kaisergruft 12 Kaiser, 19 Kaiserinnen und viele weiter Mitglieder der Familie Habsburg.
1679
Die große Pest zog über das Land. Einige Karner (Räume) der Katakomben wurden für die vielen Pesttoten verwendet. Jedoch auch lebende Personen mussten qualvoll in den Katakomben sterben, nachdem sie von der Pest befallen waren.
  
1683
Die zweite Türkenbelagerung versetzte dem Tunnelsystem einen erheblichen Vorteil für die Wiener. Abermals wurden die Katakomben als Verteidigungssystem geführt.
1914
Im 1. Weltkrieg sollten die Schächte ebenfalls zur Verteidigung dienen, wurden aber zum Teil durch feindliche Truppen unter Wasser gesetzt und wurden so zur Todesfalle, vieler Österreichischer Soldaten.
1939-1945
Wärend des 2. Weltkrieges wurden die Katakomben als Luftschutzbunker verwendet. Viele Schächte wurden damals zerstört und bis heute nicht mehr ausgehoben.

Aus alten Berichten erfährt man von chaotischen Zuständen, kreuz und quer gestapelten Särgen, von denen die ältesten unter den darauf geschlichteten Lasten schon zusammengebrochen waren und den zerfallenden Inhalt preisgaben. Auch von offen herumliegenden, mumifizierten Leichnamen ist die Rede.
Heute sind die Katakomben weitgehend leer. Zu besichtigen sind noch die Karner mit den Überresten von etlichen zehntausend Toten (Pestopfer), die Gruft der Wiener Erzbischöfe und Kardinäle und die Herzogsgruft, in der die Eingeweideurnen der Habsburger verwahrt sind.
Dabei sind besonders die Karner interessant. Teilweise findet man die Skeletteile sorgfältig geschlichtet, teilweise wild durcheinandergeworfen mit Resten von Kleidern und Särgen, und wenigen Überresten mumifizierter Leichen.
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